| Kurtág, 1998 mit dem Siemens-Musikpreis geadelt,
ist das, was man einen schwierigen Komponisten nennen könnte. Einer,
der seinen Interpreten viel abverlangt - und seinen Hörern nicht minder.
Kammermusik bildet den Großteil seines Schaffens, und "Kammer" steht
in diesem Fall für Intimität und Konzentration. Keine Musik,
die man so nebenbei hören könnte - auf Kurtág muss man
sich einlassen. |
| Das gilt auch für seine1987 fertiggestellten "Kafka-Fragmente"
op. 24. Kafka ist für Kurtág durchaus eine Art Wahlverwandter.
Beide entstammen der jüdischen Tradition Osteuropas, beide sind Perfektionisten
und entsprechend selbstkritisch, beide gehen künstlerisch keine Kompromisse
ein. |
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| Kurtágs Vertonungen wirken auf den ersten Blick
spartanisch: nur für eine Sopranistin und Violine komponiert, die
meisten bloß wenige Sekunden lang - ein musikalisches Skizzenbuch. |
| Doch schlägt man dieses so unscheinbare Skizzenbuch
auf, horcht man hinein in Kurtágs sparsame Klanggesten, tut sich
eine ganze Welt auf. Fast jedes Tonmalerei ist in diesen Stücken Textauslegung,
die in ihrem Einfallsreichtum und auch in ihrem Humor auf Anhieb frappiert
und einleuchtet. |
| Und dann tut sich dahinter eine andere Ebene auf, die
Fragen des menschlichen Daseins in all seinen Schattierungen berührt
und archetypische Bilder des Lebens heraufbeschwört.. |
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